Seit dem Jahr 2014 beschäftigt sich das Unternehmen Ecoenergy SAC mit Elektromobilität in Pucallpa, Peru. In den Vordergrund der Nachforschung rückten hierbei die folgenden Anhaltspunkte: 1. die Große Anzahl der Mototaxis in Pucallpa (derzeit ca. 52.000), 2. der Umweltaspekt (Lärmbelästigung und CO2 Ausstoß), 3. soziale Kriterien (es wurden durch die Mototaxis ca. 52.000 Arbeitsplätze geschaffen), 4. der Gesundheitsaspekt der Fahrer (ständiges Ausgesetztsein von Auspuffgasen und Lärm, sowie Vibration und Hitze).
Nachdem ein mögliches Potential identifiziert wurde, recherchierte Ecoenergy SAC nach den technischen Möglichkeiten diese vier Aspekte zu verbessern. Hierbei standen zwei Alternativen zur Auswahl: zum einen konnten die bestehenden Mototaxis auf Elektroantrieb umgerüstet oder zum anderen ein völlig neues Modell eingeführt und das alte somit substituiert werden. Nach intensiver Recherche und Kalkulationen entschied sich das Unternehmen, dass eine Umrüstung der bestehenden Mototaxis nicht lohnenswert sei, da eine völlig neue Fahrzeugstruktur entwickelt werden müsse. Daher wurde der Weg einer Neuentwicklung bzw. die Übernahme von technischen Entwicklungen aus anderen Ländern bevorzugt. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein ausgereiftes Mototaximodell, das hätte übernommen werden können, um es in Pucallpa zu testen.
Um die nötigen Investitionen durchführen zu können wandte sich das Unternehmen mit einem Projektantrag und der Bitte um Co-Finanzierung eines Pilotprojektes zur Elektromobilität in Pucallpa an INNÓVATE, ein Förderprogramm des peruanischen Produktionsministeriums für neue Technologien in Peru. Dieses Pilotprojekt ermöglichte es dem Unternehmen auf der einen Seite enorme Kenntnisse im Themengebiet der Elektromobilität zu erlangen und auf der anderen Seite durch entsprechende Studien ein marktfähiges Konzept für die Einbringung elektrisch betriebener Mototaxis in den Markt von Pucallpa zu erarbeiten.
Da sich herausstellte, dass die Eigenentwicklung eines neuen Mototaxis einen sehr hohen finanziellen Aufwand zur Folge hätte und außerdem das Risiko bestand, dass der Markt von Pucallpa die neuen Mototaxis nicht annehmen würde, entschied sich das Unternehmen ein modernes Mototaximodell, das in seiner Entwicklung bereits abgeschlossen ist, ausfindig zu machen, statt selbst eines von Grund auf zu entwickeln. Somit stellte Ecoenergy SAC Kontakt zu der Firma KYTO Green Technologies her. Bei KYTO handelt es sich um ein junges chinesisches Unternehmen, welches über ein passendes Modell eines elektrisch betriebenen Mototaxis verfügt. Die bereits erlangten Kenntnisse der asiatischen Firma werden nicht nur Ecoenergy SAC zu Gute kommen sondern grundsätzlich die Elektromobilität im Bereich der Mototaxis in Peru revolutionieren.
Nachdem nun bereits das erste technische Pilotprojekt (Phase I) abgeschlossen wurde, stellte Ecoenergy SAC einen Folgeantrag an INNÓVATE mit der Bitte um Co-Finanzierung der Validierung des im Pilotprojekt entwickelten Marketingkonzeptes. Parallel dazu hat das Unternehmen eine Kooperation mit dem Motorenhersteller GEMmotors in Slovenien aufgebaut. Die von der Firma GEMmotors entwickelten Radnabenmotoren sollen in die Karosserie der Mototaxis der Firma KYTO Green Technologies eingebaut und auf ihre Alltagstauglichkeit überprüft werden. Die Kooperation mit GEMmotors wird von dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit (BMUB) über die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) co-finanziert. Während der Validierung des Konzepts (Phase II) werden insgesamt elf elektrisch betriebene Mototaxis in Pucallpa getestet. Sowohl Motor als auch Fahrzeug wurden auf die örtlichen Bedingungen von Pucallpa angepasst, sodass das Komplettpaket allen nötigen Anforderungen wie Klima und Topographie gerecht werden kann.
Da elektrische Mototaxis in der Herstellung wesentlich teurer sind als herkömmliche, ist ihr Verkauf weder umsetzbar noch sinnvoll. Aus diesem Grund sollen die Fahrzeuge tageweise an ausgewählte Fahrer vermietet werden. Die Fahrer werden die Mototaxis als Taxi nutzen um sich somit ihren täglichen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Konzept der Vermietung von Mototaxis (mit Verbrennungsmotor) wird in Pucallpa bereits genutzt und macht ca. 10% des Marktes aus. Der Mietpreis der elektrischen Mototaxis soll vergleichbar sein mit den Kosten die bei der Anmietung eines herkömmlichen Mototaxis anfallen. Außerdem haben die Fahrer der elektrischen Mototaxis folgende Vorteile gegenüber den herkömmlichen:
- Kein Tanken von Treibstoff nötig
- Umweltfreundlichere Fahrzeuge durch Eliminierung von Abgasen
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Verbesserter Gesundheitsaspekt durch weniger Vibration und geräuschärmeres Fahren
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Bessere Sicht bei Trockenheit und Nässe durch integrierte Windschutzscheibe
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Sicherere Fahrzeuge durch regelmäßige Wartung
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Verbesserter Service durch geschultes Personal
Die zweite Phase des Projekts wird bis Ende 2018 andauern. Im Anschluss geht es um Wachstum, das heißt es sollen weitere Fahrzeuge beschafft und vermietet werden (Phase III). Bei der dritten Phase handelt es sich somit nicht länger um eine Projektphase, bei der überprüft werden soll ob das Konzept funktioniert, sondern um den Aufbau eines Betriebes, der das zuvor getestete Konzept umsetzt.
Um die Fahrzeugflotte weiter ausbauen zu können werden weitere Finanzmittel notwendig sein. Hierzu wird das Unternehmen verschiedene Optionen prüfen. Dazu zählen Crowdfunding, Crowdinvesting, Bankkredite und private Investoren.
Für das Jahr 2019 sind mindestens 100 elektrisch betriebene Mototaxis in Pucallpa geplant. Bei steigender Nachfrage soll die Produktion schrittweise nach Pucallpa verlegt werden. Diese Maßnahme hätte weitere positive Wirkungen, wie beispielsweise neu geschaffene Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung zur Folge.
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